am 07.03.2010 aus dem Hier und Jetzt
Mitreisende.
Schnee.
Alles könnte besser sein. Na klar. Potential ist da. Selbst die Lösungen. Ich habe gelernt, welche Handlungen volle Wäschekörbe erfordern. Ich könnte ein Handbuch mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen erstellen. man zebralebensverbesserung.
Leider hätten all seine ersten Schritte unerfüllte Voraussetzungen. Kleinigkeiten wie Geld und Zeit, aber viel schlimmer: Die großen Zebraglückverhinderer (ZGV). (Hallo, Freunde!)
Mir fehlt die Entschlossenheit etwas zu verbessern. Mir fehlt jede Art von Energie - fürs Tippen und Klicken, natürlich, reicht's. Und mir fehlt Mut, natürlich. Es ist mir alles zu anstrengend und kompliziert. Ich möchte mich nicht mit Menschen auseinandersetzen. Ich habe keine Lust, etwas zu ändern.
Ein wenig werde ich noch so ausharren, sechs bis elf Wochen, schätze ich, und unglücklich sein. Dann wird es Frühling, ich werde einen sonnigen Blogbeitrag verfassen und den Arsch hochkriegen.
Bis dahin nehme ich mir die Freiheit alles weiterhin liegenzulassen. Bis es stinkt.
am 08.01.2010 aus dem Hier und Jetzt
Radio Ghoul School.
Grün.
Schnee, Schnee, Schnee!
You finished stage 2009.
Time played: 9404 days.
Results:
Achievements gained (7/10):
- been to the gym 22 times (+2 attractiveness, +1 strength).
- learnt regular expressions (+4 pretend to be cool).
- landed 172 aircrafts on the carrier in Flight Control (probability that I waste my time +10).
- had 1 postcard published on post secret (anonymous fame +1).
- posted 5 582 tweets.
- found 11 reasons why Java sucks and 39 reasons why ruby rocks (sanity +10).
- supported 13 loans at kiva.org. (karma +1)
Special Items found (6/12):
- Awesomosaurus (+8 resistance against dark magic, +4 white magic, +10 fridge inventory).
- Bettmuschel (+8 warmth at night, +4 health).
- magic hair of green (+4 mana points).
- kiss from a tulip girl (+4 white magic).
- rotelinie mana dots (+2 mana points).
- iPhone companion cube (+8 orientation, +2 resistance against boredom and loneliness).
You are a level 25 zebroid.
am 04.01.2010 aus meiner Sammlung Sprachfetzen
Yogi Tee.
Dachfenster zugeschneit.
# Auf welche Art wirst du am liebsten verletzt?
Körperlich.
Und sonst: Durch die gewaltsame, ungewollte Trennung von etwas, von dem man sich nicht lösen wollte, das aber nicht (mehr) gut für einen war. Befreiende Verletzungen.
# Und auf welche am leichtesten?
Kritik, vermutlich. Aber wahrscheinlich laufe ich häufiger gegen Dinge, die mir nicht ausweichen, als dass ich so verletzt werde. Vielleicht ist die zutreffende Antwort also: Türrahmen.
# Was wirfst du deinen Eltern bis heute vor?
Dass sie mich zu wenig ermutigt haben.
Ey, ihr habt mich zu wenig ermutigt!
# Was ist der größte Irrtum anderer über dich?
Dass ich "nett" bin, wahrscheinlich, oder besonders reflektiert oder sowas.
Aber ehrlich gesagt weiß ich zu wenig darüber, was andere über mich denken.
# Was tust du, damit er bestehen bleibt?
Mich "nett" verhalten.
Blog-Einträge schreiben, dank derer ich besonders reflektiert wirke. ;-P
# Was braucht es zum Unglücklichsein?
Angst vor Veränderung. Überhaupt: Angst.
Eigentlich kann man Unglück aus fast allen Zutaten machen, es ist das universelle Gericht.
# Wann nimmst du dich ernst?
Wenn mir etwas wehtut.
Aber erst, wenn es schon länger wehtut und genug.
# Und wann die anderen?
Wenn sie mehr rational als emotional sind.
# Was hältst du für die beste Art zu leben?
Gut sein.
# Und was für die schönste?
Egoistisch sein und rücksichtslos genug.
# Wer willst du sein?
So ich wie möglich. Jemand den ich mag.
(Und ich hoffe, das schließt sich nicht aus.)
# Warum bist du es nicht?
Wer sagt das? … Na gut.
Weiß ich auch nicht. Aber schalten Sie auch nächste Woche wieder ein, vielleicht finde ich es bald heraus.
am 20.12.2009 aus dem Hier und Jetzt
Death Rock, Baby.
Astra, Wein is' leer.
Bitterkalt isses.
Wie fing es eigentlich an?
Lässt sich schwer eingrenzen, es sammelte sich so in mir an: Geschichten übers Jung-Gewesensein, Erzählungen vom Älterwerden, Begegnungen, Gedanken, Visionen (ja, ich weiß, zum Arzt). Vielleicht auch Aufhören-zu-ignorieren-was-wehtut. Vielleicht auch Anfangen-zu-realisieren-warum-es-wehtut.
Neulich, zum Beispiel: Nacht, kurz vor Elf, alles still und Schnee fiel. Es war nur Schnee, aber irgendwie war es, tja, magisch. Und in Gedanken entfuhr es mir: "Ach, wie geil, dass ich das noch erleben darf!" Und dann auch gleich: "Hömma, warum denkst Du das denn jetzt?" - Warum glaube ich, dass ich sterben werde?
Die Tatsache, dass ich sterben werde, und dass die Anzahl der Tage bis zu diesem Zeitpunkt begrenzt ist, begleitet mich. Seit ein paar Monaten, ziemlich lange schon.
Und dann, ein anderes Neulich, noch ein Beispiel: Nacht, vermutlich nach Elf, draussen Sturm, ich im Bett mit zwei Lieblingsmenschen. Gedankliches Bild: Eine dunkle Felsenküste, Sturm, meine Lieblingsmenschen. Und: Die Gewissheit, dass ich eines Tages sterbe, und dass ich entscheide, und ganz bewusst entscheiden sollte, mit wem ich meine Tage verbringe. Jeden Tag. Die Anzahl der Tage ist begrenzt. Man gibt einen Tag nicht einfach weg. Nicht, weil man sich verpflichtet fühlt, oder nett sein möchte, oder irgend so eine Scheiße. (Denkt da mal drüber nach.) (Nett sein kann man immer noch, sollte man zufällig unsterblich wiedergeboren werden.)
Seltsamerweise muntert mich der Gedanke hauptsächlich auf. Wenn er da ist, so wirklich präsent, so richtig "Du wirst sterben" - dann ist es meistens in den guten Momenten. Oder vielmehr: Es macht die Momente gut. Es macht diese Momente ganz "Hier und Jetzt". Es sagt mir: "Wow, ma' ehrlich, ist es nicht un-glaub-lich, dass Du jetzt hier bist? Ist das nicht geil?"
Na gut, ein klein wenig Panik ist auch da, ein klein wenig von dieser Nervosität die nach Midlife-Crisis riecht. In meiner inneren Schreibtischschublade krame ich hektisch nach den Listen ("5 Drogen, die Du probiert haben solltest bevor Du stirbst", "9 Menschen, die Du schon länger ficken wolltest", "6 Träume, die Du als Kind hattest").
Aber vor allem sagt es mir: Das Leben, diese Welt, ist ein riesiges Modell, das Dir ermöglicht, Erfahrungen zu machen. Wertungsfrei: Erfahrungen. Und tot sein bedeutet, diese Möglichkeit nicht mehr zu haben.
Mein Leben fächert sich vor mir auf, ein Flußdiagramm. Die Möglichkeiten sind klar. Manches steht bereits fest. Die Vorstellung 45 zu sein, 60 zu sein - ist irgendwie nicht mehr fremd, irgendwie nicht mehr fern. Das ist eine neue Perspektive, faszinierend, klar. Und: Das macht Angst. Wie ein Sonntag Abend mit viel Spaß, der zu Ende geht; wie wenn man langsam wieder nüchtern wird auf einer Party von der man gehofft hat, sie würde nie enden.
Dieser Moment, in dem man realisiert, dass man nicht mehr das Kind ist, das alles werden kann. - Erinnert ihr euch noch, wann der eintrat? Zum Beispiel: Offenbar bin ich eine Frau und vermutlich werde ich es bleiben. Mit Bedauern stelle ich fest, dass ich wohl keine Musikerin werden werde (weil ich mir übrigens, trotz gelegentlichen Enthusiasmus' nach Drogenkonsum, aus Musik nicht viel mache). Ich werde auch keine Striptease-Tänzerin mehr. Und, na so was, ich bin doch nicht lesbisch. Meine Jugend steht fest: Ich war nie ein Hippie, höchstens im Herzen. Das alles tut ein wenig weh, zugegeben.
Das Seltsame ist, ich habe so lange nach den Geheimnissen gesucht, von denen ich glaubte, dass die Anderen sie vor mir verstecken. Gut, eines habe ich gefunden, es hat tatsächlich Einiges erklärt. Aber das zweite, das hier, die Tatsache, dass wir alle sterben, das erklärt nichts. Nichts. - Na gut, es erklärt ein klein wenig, warum Menschen kleine, garstige Monster in die Welt setzen, ja, selbst ich habe das mittlerweile verstanden. Aber warum lassen all diese Menschen ihre Angst und ihr Sicherheitsbedürfnis gewinnen, haben die meiste Zeit ihres Lebens Sex mit dem gleichen Menschen, versuchen krampfhaft vergangene Dinge festzuhalten anstatt neue zu probieren, zu denen sie nur eine begrenzte Anzahl Tage haben? Unerklärlicher denn je.
Denn ich, ich möchte seitdem alle drei Wochen das tun, was ich tun möchte, bevor ich sterbe. Denn "bevor ich sterbe", das ist genau jetzt, und nur jetzt ist garantiert.
Warum ihr alle noch hier sitzt, warum ihr nicht euer Konto überzieht um auf Fuerteventura surfen zu gehen, und warum ich das nicht tue - Scheiße, das ist mir ehrlich gesagt vollkommen unbegreiflich. Ist es nur weil es Konvention ist, dass wir so tun, als würden wir ewig leben? Ist sie doch, oder?
Wie ist das so, wenn man älter wird? Hattet ihr auch solche Gedanken mit fünfundzwanzig?
Sterben ist ja Tabu-Thema. - Erzählt doch mal, ich will das Krachen hören wenn es bricht, wie so 'ne Hanuta-Waffel.
am 28.11.2009 aus einem Schuhkarton verwackelter Momentaufnahmen
Manson.
Bier.
Bleibt draussen.
am 21.11.2009 aus dem Hier und Jetzt
Frank the Baptist.
Astra.
#000.
Mein Herz soll kein Glassarg sein, in den man den einen auserwählten Menschen reinpackt, am Besten mit ordentlich flüssigem Stickstoff und 'nem fetten Vorhängeschloss. Mindestens. - Man weiss ja nie!
Mein Herz soll ein Wohnzimmer sein. Mit einem großen Sofa (Cord, dunkelgrün), einer Bar, und einem Teller Keksen. Wen ich einlade, der ist willkommen.
Theoretisch zumindest ist eine Menge Platz. Und von der Praxis wollen wir uns nicht den Tag verderben lassen. Setzt euch! Seid Gäste statt Gefangene, lasst mich auch Gast sein.
Ich hab' hier diesen Teller Kekse, den ich allein nicht essen kann, und die Kekse, die ich nicht esse, tun mir kaum weh.
Übrigens, wenn ihr euch das nächste Mal in der Bahn über eure Beziehungsprobleme austauscht, und ihr diesen Ausdruck auf meinem Gesicht seht, dann ratet was ich denke: "Ach ja, ich weiss schon: Glassarg, Stickstoff, Vorhängeschloss."
Ich bin weder schlauer noch erfahrener als ihr. Vielleicht ist mein Ansatz besser für mich. Vielleicht aber nicht einmal das.
P.S.: Man weiss nie. Es hilft nicht.
P.P.S.: Wenn es funktionieren würde, ich würde es auch tun, Glassarg, Stickstoff und Vorhängeschloss ordern.
am 10.10.2009 aus einem Notizbuch voller Fragen, die unbeantwortet blieben
Waschmaschine.
Wasser.
Es herbstelt.
Wir haben Wahrheit.
Du brauchst nicht mal zu fragen.
Egal zu was, passt überall zu. Ordentlich dick drauf.
Meinungen, ach, ist doch nichts Rechtes.
Wahrheit ist allemal besser. Und macht besser, wirst sehen.
Nimm noch, es ist genug da.
Junge, damit aus Dir was wird!
P.S.: Solche Eltern sind keine gültige Ausrede, keine eigene Meinung zu haben, übrigens. Ich mein' ja nur.
am 29.08.2009 aus einem Schuhkarton verwackelter Momentaufnahmen
Rauschen.
Jasmintee.
Sonne!
Eine Stadt voller Menschen. Freiluft. Sonnenbrillen, lackierte Zehennägel, T-Shirts selten unbedruckt. Musik im Park. Doppeldeckerbusse! Vierundzwanzig Stunden Falafel. Spreeufersonne.Die Stadt sagt, es ist okay. Sogar die Socken in den Sandalen der Touristen failure is okay. Und alle sind schon da.
Vieles ist mehr so, wie es sein sollte, ein bißchen. Und bei vielem hat man das Gefühl, es könnte noch so werden. (Und wenn ich sage "wie es sein sollte", meine ich "wie ich es gerne hätte".) Warum gerade hier oder warum nur hier weiß ich nicht. Vielleicht eine Anomalie im Raum-Zeit-Gefüge, die Möglichkeiten hier möglicher erscheinen lässt als anderswo. Wahrscheinlicher aber ist, dass es in meinem und eurem Kopf ist. Wie eigentlich alles zu und über Berlin, das dort nicht aus Stein und Beton steht. Die Idee und die Geschichte und das Gefühl, dass es dort besser wäre, irgendwie. Irgendwie, vor allem.
Berlin an sich, nämlich, ist nur eine große Stadt.
Tourist* der man ist, vergleicht man. Und wenn man fertig ist mit vergleichen, sucht man Gründe, nicht herzuziehen (oder, was zum Zeitpunkt wo ich das schreibe richtiger wäre: hinzuziehen), findet einige wenige. Muss dann zugeben, dass es nicht die guten Gründe sind und seufzt.
Wartet noch ein wenig auf mich.
Disclaimer: Nicht repräsentative Eindrücke eines Zebras, welches zum zweiten Mal in seinem Leben Berlin besucht hat. Es ist jung, leicht zu beeindrucken, auf dem Land aufgewachsen und nicht besonders weit gereist.
P.S.: Untypischerweise noch einen Link, nämlich mspro über Berlin und das Glück.
*("Tourist" ist vielleicht nicht ganz richtig. "Pilgerer", eher.)
am 14.07.2009 aus dem Hier und Jetzt
Tatort
Roter Wein
Abendsonne
Alles begann mit meiner Fahrt in einem Regional-Express und einem im Grunde recht sympathischen Schaffner.Ich bin nicht sicher, welche Probleme ein Mensch hat, wenn er die Tatsache, dass ein anderer Mensch Schnürsenkel in zwei verschiedenen Farben trägt, als derart bemerkenswert empfindet, dass er seine süffisante Verwunderung (etwa "Das kannst du doch unmöglich mit Absicht tragen und Ernst meinen, junges Fräulein.") laut äussern muss.
Dass es mein Problem ist, dass ich mir darüber Gedanken mache und nicht umhin komme mich hier darüber auszulassen, weiß ich hingegen wohl. (Ich bin Bloggerin. Ich serviere den Menschen im Internet meine erbrochenen Gedanken als Frühstück. - Aber hey, noch haben sie keine Störung erfunden, in deren ICD-10-Definition "bloggen" vorkommt.)(Sollte das noch geschehen hoffe ich zumindest, dass der zugehörige Wikipedia-Eintrag einen Link auf mein Blog beinhalten wird.)
Ich hätte gerne ein Wort für diese Menschen, die jede Abweichung die sie an anderen entdecken, bezeichnen müssen um sich ihrer eigenen (manchmal traurigen) Angepasstheit zu versichern. Auch für die, die mich schon zur Seite genommen haben, um mir zu erklären, dass sie auch einmal jung waren, ihrem Haupthaar lustige Farben verpasst haben und glaubten sie würden nie so werden wie sie heute sind. Die mir dann versichern, dass es nichts Schlechtes sei. ("Surly Adopter", vielleicht.)
What the fuck is wrong with you people?
Nein, natürlich ist es nichts Schlechtes. Warum glaubt ihr, dass die Art wie ich mich kleide ein Statement sei oder pubertäre Rebellion - oder irgend etwas, das über den Ausdruck meines persönlichen Geschmacks hinausgeht? Und warum glaubt ihr, dass dieses "Statement" beinhalte, dass ich euren "Style" und/oder den "Mainstream" beschissen oder spießig fände?
Leute, Mainstream ist okay. Ihr seid okay. Seid versichert, Emiliana Torrini und der neue 3suisses-Katalog sind wunderbar.
Wenn sich ganz gewöhnliche, sympathische, angepasste Menschen mir gegenüber anfangen zu rechtfertigen (genau so, übrigens, wie es einige Fleischesser gerne gegenüber Vegetariern tun, in einem Tonfall, der verrät, dass sie selbst glauben im Unrecht zu sein und auf Verständnis und Absolution hoffen), macht mich das nachdenklich.
Ich bin euch nicht böse, wenn euer Style zufällig dem Mainstream entspricht. Und noch viel weniger, wenn ihr zu faul oder ängstlich seid, etwas anderes zu tragen, als das, was alle tragen. Im Gegenteil, Faulheit, Angst und Gleichgültigkeit verstehe ich so gut, dass ich Consultant dafür werden würde, wenn mich jemand dafür bezahlte. Ihr seid nicht weniger aussergewöhnlich und ich mag euch nicht weniger, nur weil ihr eure Kleidung bei S. Oliver oder H&M kauft und das Radio anmacht, wenn ihr nach Hause kommt.
Aber (oh ja, ich weiß diese Bitte ist vollkommen unmöglich zu erfüllen, denn das Erkennen von Regelmäßigkeit und Abweichung ist natürlich, nützlich, unmöglich zu verbieten) hört verdammt nochmal damit auf, auf meine "Andersartigkeit" hinzuweisen als hätte ich einen Pickel im Gesicht. Ich bin, wie ihr. Nur so ein Zweibeiner, der glücklich werden möchte.
P.S.: Ja, ich weiß. Ich komme nach Berlin. Dahin, wo alles besser sein soll. Bald.
P.S.S.: Ein nachträglicher Disclaimer ist eventuell angebracht. Ich kleide mich mittlerweile derart gewöhnlich, dass mich mein früheres Ich dafür beschimpfen würde. Und manchmal tut es das. Mir gelingt es nicht mehr, den Mut und die Nerven aufzubringen die nötig wären um mich in meiner gegenwärtigen Umgebung und Verfassung so zu kleiden wie ich möchte. Ich beneide jeden, der es tut und häufiger als ich hier zugben möchte ertappe ich mich bei dem, was ich anderen hier vorwerfe. Es tut mir leid.
am 10.07.2009 aus Fragmenten von Träumen
Sex Gang Children
Creme Oolong
Caps Lock
Das Zweitschönste am luziden Träumen, übrigens, ist schon während des Traums darüber nachdenken zu können. Auch wenn das fürchterlich verkopft klingt.
Während des Traums denke ich auf andere Art und Weise über ihn nach als später, nach dem Aufwachen (vereinfacht, verkürzt, ein bißchen leichter, mehr so schwebend). Manchmal hat es eine gewisse Komik: "Boah, ich weiss, I-d-e-e! Ich könnte mit dem Handy Fotos machen! - … Oh, Mooooment, das habe ich zwanzig Jahre lang probiert und es hat nie funktioniert. - Aber vielleicht könnte es dieses eine Mal …? Nein, ich glaube nicht. Naja - dann eben nicht." - mein Gedankengang während ich ins riesige, polstersesselbestückte Wohnzimmer einer Villa guckte. (Trivia: Ich hatte sowohl mein Sony Ericsson K800i als auch mein iPhone dabei. Aber selbst im Traum ist die Kamera des erstgenannten noch drei Mal besser als die des iPhone.)
Ins Bestaunen einer organischen, fast fließenden Struktur aus Holz vertieft, dachte ich mir, ich sollte (unbedingt) etwas tun um diesen (verdammten, wunderschönen) Ideen in der Kohlenstoffwelt ein Zuhause zu geben. Außerhalb meines Kopfes. In der Welt, die ich mit anderen Menschen teile.
Ach, aber wie? Ich dachte an Lewis Carrol, Salvador Dali, MYST, Kinderbücher und Videospiele. Und dann hörte ich auf darüber nachzudenken und ging weiter. Gedanke: Fade-out.
Mein Hund (alt und treu). Joana, in ihrer gepunkteten Bluse. Ich war dankbar, dass sie da waren. Ich dachte: Es ist schön hier nach Hause zu kommen, willkommen geheissen zu werden. Diese Charaktere sind wunderbar; ich habe sie gern. Sie sind ich. Über diesen Umweg kann ich mich selbst auch wunderbar finden und mögen. Und vielleicht sogar Zuhause sein. Und: Vermutlich bin ich auch wunderbar. Ähm, wahrscheinlich.
Auf der anderen Seite haben mich meine imaginären Freunde in meiner Vorstellung von Freunden verdorben, und ich werde mich eventuell nie damit abfinden, dass Kohlenstoff-Freunde nicht so wunderbar sind, wie meine ganz eigenen, ausgedachten. (Nein, sind sie nicht. Sie sind vielleicht greifbarer, kneifbarer, nützlicher und durch ihre imaginären Gegenstücke nicht zu ersetzen. Wunderbarer sind sie nicht. - Wer das meint, hat sich die falschen ausgedacht, oder sie nicht wunderbar genug ausgedacht.)
am 29.06.2009 aus Fragmenten von Träumen
Brummsumm.
Kaffee.
schwarz wie die … genau.
Es gingen nicht nur Kinder in die Schule. Und dort würden nicht nur Naturwissenschaften und Fakten gelehrt.
Es gäbe keine Ehe und kein Sorgerecht. Sondern Lebensgemeinschaft und Sorgeverpflichtung.
Graffiti wären nicht verboten. Die Straßen gehörten uns allen. Sie würden bunt verschmiert. Unsere Parks wären Lebensräume, die wir teilten.
In meinem Land gäbe es kinderfreundliche Wagen im öffentlichen Personennahverkehr. Und kinderunfreundliche, für uns kinderunfreundliche Menschen.
Religion, Raumforschung und Rennsport wären Hobbies.
In meinem Land hätten Medien Ethikkommissionen; Supermärkte und Restaurants veganes Essen. Auf öffentlichen Plätzen gäbe es freies WLAN. Information wäre jedem zugänglich, der Handel mit ihr strafbar.
In meinem Land wäre weder Wohlstand noch Wirtschaftswachstum Ziel. Statt Umsatz wollten unsere Unternehmen Erfolg.
Mein Land hätte ein Grundeinkommen. Kunst wäre frei, Arbeit freiwillig.
Wer hier nicht leben wollte, ginge fort.
Und wer hier leben wollte, wäre jederzeit willkommen.
In meinem Land könnte jeder glücklich werden.
Eigentlich genau wie hier.
am 27.05.2009 aus einem Notizbuch voller Fragen, die unbeantwortet blieben
Manson
Chardonnay
not applicable
Im Grunde bin ich's, ein wenig.
Anna sagte mal: "Ich muss mehr transparente Tops anziehen. Dann starren die Leute auf meine Titten statt auf die Narben." Und zwinkerte. Wenn sie ihre Tage hatte, sah sie sich Bilder von Tierheimhunden im Internet an und heulte. Aber - worauf ich gerade 'rauswill, sie sagte einmal: "Mein Gott, manchmal bringe ich einfach nicht die Selbstbeherrschung auf mich wie ein gewöhnlicher Mensch und irgendwie _nett_ zu verhalten wenn es _einmal_ nötig wäre." Sie verdrehte die Augen.
Wenn's einmal drauf ankommt und ich nett sein oder was Nettes sagen sollte - und ich weiss das und ich weiss was und ich wäre theoretisch in der Lage dazu - dann regt sich in mir Widerstand.
Dagegen, immer so zu tun als ob. Als ob es mich kümmern würde, Kinderarbeit und Ausbeutung und Leid und anderer Menschen Probleme. Gegen die soziale Konvention dauernd so zu tun als hätte man Mitleid. Abstreiten zu müssen, wenn man keines hat. Die Erwartungen und das Floskelgewichse. Menschen zu sagen was sie hören wollen weil sie es hören wollen. Zugeben dürfen, dass einem das Leid der einen Lebewesen* scheissegal ist. Aber bloß nicht bei den anderen.
Und überhaupt: Als müsse man immer nett sein. Wo ich manchmal einfach nur scheisse und ehrlich sein möchte. Und in Kauf nehme andere zu verletzen. Ich fühl' mich besser wenn ich ein wenig scheisse und dafür ein wenig ehrlicher bin. Ein bißchen wie Anna.
*(Muh.)
am 28.04.2009 aus dem Hier und Jetzt
Gavin Friday.
Astra.
bleibt draussen.
Enttäuschung, du arschpickliges Stinktier, niemand hat nach dir gerufen.
Ein neuer Plan also: Ich werde allem aus dem Weg gehen, das von Weitem auch nur riecht oder aussieht wie ein Plan, der etwas verspricht. Eigentlich gilt das für jede Art von Plan, dessen Ausführung länger als einhundertdreizehn Minuten in Anspruch nimmt.
Es kann sein, dass alles gut wird. Aber wenn, dann vermutlich nicht als Ergebnis irgendeines meiner Pläne. Meine Pläne sind scheiße. Auch wenn die Ideen gut sind.
P.S.: Ich bin nicht so betrunken wie ich es gerne wäre.
P.P.S.: Ich hab' Stinktiere lieb. Wirklich. Ist mir nur so rausgerutscht.
am 21.04.2009 aus einem Schuhkarton verwackelter Momentaufnahmen
Autobahnrauschen.
au ja.
duschter.
am 18.03.2009 aus einem Notizbuch voller Fragen, die unbeantwortet blieben
Grüner Tee.
Ja, endlich mal wieder.
An manchen Tagen finde ich das beinahe unheimlich. Auf jeden Fall aber ein klein wenig schizophren. Und das, obwohl ich der letzte Mensch bin der fremde Menschen sehen, geschweige denn mit denen zusammen eingesperrt werden möchte. Und das, obwohl ich auch gar keine Lust habe, auch mit denen noch Begrüßungsrituale zu veranstalten. Aber warum sind die Regeln sozialen Zusammenlebens derart inkonsistent?
Also kein wohlwollendes Begrüßungsgemurmel wie im Wartezimmer. Man muss die Menschen um sich herum ignorieren. Das ist gar nicht so leicht. Anstrengend, manchmal. Manches, was man sich woanders antrainiert hat, zum Beispiel "Gesundheit" zu sagen wenn jemand niest (ja, ich weiß, dass ist out - da der kranke Mensch eine Belästigung ist, hat er sich neuerdings zu entschuldigen; man wünscht ihm keine Besserung) macht man nicht. Vermutlich wäre es kein Fauxpas, "Gesundheit" zu sagen, aber tatsächlich habe ich es noch nie erlebt. Auf ein Niesen folgt für mich also immer eine gespannte Stille.
Man tut so, als würde man die anderen nicht wirklich wahrnehmen. Dabei kann man wunderbar beobachten, wie der Mann in Anzug auf der anderen Wagenseite sich in der Nase bohrt (Erleichterung, dass auch "normale" Menschen diesem Hobby fröhnen!). Und man freut sich, dass die Hübsche mit dem blonden Haar an der alles so perfekt gestylt ist, mit offenem Mund schläft. Und man kann ihre nackten Beine anstarren, wenn man mag, ohne dass sie's merkt. Und man erfährt über die Jugend von heute was man nie wissen wollte. Speziell über den Absturz der zugedrogten besten Freundin eines Mädels, das laut in sein Handy spricht. Und wenn sie ihrer Freundin da nun erzählt, was gestern Nacht alles war (denn die kann sich nicht mehr erinnern), dann hört vermutlich der ganze Wagen gebannt zu. Trotzdem ist das nicht unhöflich, denn erstens tut man ja so als würde man nicht hingucken und zuhören und zweitens kann man ja gar nicht anders. (Aber ich glaube auch das ist nicht auf andere soziale Situationen übertragbar. Das muss ich noch untersuchen.)
Es gibt etwa zweieinhalb Ausnahmen, in denen die zombiehafte Wir-ignorieren-einander-so-gut-es-geht-Laune plötzlich umschlägt. Das passiert einerseits bei kleineren Katastrophen und katastrophalen Verspätungen (so geschehen bei der letzten sogenannten "Sturm-Katastrophe": Menschen tauschten sich plötzlich lebhaft darüber aus, seit wann sie von wo nach wo mit welchen unterwegs waren; im ersten Zug, der nach dem Sturm Richtung D. fuhr, realisierte man plötzlich, dass man mit vielen Menschen unterwegs war; ich mochte es). Die andere Ausnahme, die ich öfter erlebe ist, dass Menschen, die sich äusserlich eindeutig als Anhänger einer beliebten Ballsportart zu erkennen geben, gerne nach den aktuellen Spiel-Ergebnissen gefragt werden. In solchen Momenten beneide ich die heimlich. (Vielleicht brauche ich einen "Frag mich doch mal, was im Internet so läuft"-Button.) (Vielleicht aber auch nicht.)
Seinen Höhepunkt findet das Theater in den Zügen die fast ausnahmslos von Pendlern benutzt werden, die auf dem Heimweg sind. Irgendwann zwischen fünf und acht Uhr. Das ist meistens ein Haufen Menschen, der aussieht als ob er nur noch nach Hause möchte und mit letzter Kraft und versteinerter Miene tapfer die Unbilden des Lebens im allgemeinen und der Deutschen Bahn im Besonderen erträgt. Das Schweigen wirkt dann irgendwie verordnet (man sucht mit den Augen schon heimlich nach der strengen Bibliothekarin, die sprechen, essen und trinken verbietet) und täuscht darüber hinweg, dass man sich in einer alten S-Bahn auf vielen Streckenabschnitten der Lautstärke wegen sowieso nur mit Mühe unterhalten kann. Meine Lieblingsszene kommt aber noch: Manchmal wagen es mutige, musizierende Helden so eine S-Bahn mit Akkordeon und Co. zu entern. Ich mag Live-Musik in Zügen. Und Akkordeon sowieso. Viele andere nicht. Deren angestrengtes Bemühen von ihrer Umwelt nichts wahrzunehmen, wird dann auf eine harte Probe gestellt.
Das finde ich lustig.
P.S.: Suche Co-Autoren für die Man-Pages zum real life.
am 07.03.2009 aus dem Hier und Jetzt
PJ Harvey
Weißwein
nil
Sein Name ist Paul. Er ist schön. Ich hab' ihn lieb. Bin glücklich, dass er da ist.
am 09.01.2009 aus einem Schuhkarton verwackelter Momentaufnahmen
Büroarbeitsgeräusche
Grünen Tee
Schneeweiß
zwischen weißen Laken, morgens, Haut aneinander und gegeneinander. schmecken, riechen, lecken. beschlagenes Fenster zum Innenhof.
Espresso. Bademantel wartet.
draussen: zu große Handschuhe - seine - halten Hände warm.
abends Wein. warm unter der Zunge kleine Tomaten, die weich Süße ergießen.
Weit weg von müssen und wollen und sollen.
kleine Welt teilen.
(er kümmert sich. ich kümmere ihn! und Kümmel.)
Stille im Kopf.
Urlaub.
am 09.12.2008 aus dem Hier und Jetzt
Fernsehen aus dem Mitbewohnerzimmer
Grünen Tee
scheisskalt
1. Was ist das Zebramädchen Anti-Winterdepressionspaket und wie wird es angewendet?
Das Zebramädchen Anti-Winterdepressionspaket ist eine Zusammenstellung wohltuender, stimmungsaufhellender Wirkstoffe. Es wird angewendet bei saisonal bedingten Stimmungstiefs und bei akuter Zebrastreifenschwärzung.
2. Welche Wirkstoffe enthält das Zebramädchen Anti-Winterdepressionspaket?
- einen Lieblingsmann™.
- zwei Mitbewohner.
- zwei Murmeltiere; ein großes und ein kleines.
- eine liebe Freundin.
- einen süßen Spatz.
- eine Sony α 300.
- Post.
- Wein.
3. Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Die zahlreichen Nebenwirkungen umfassen u.a. Liebeskummer, Hysterie, leichte Alkoholvergiftungen, aber auch Freudensschreie und spontane alberne Liebesbekundungen an Leben und Lebende.
Sollten Sie eine dieser oder andere Nebenwirkungen beobachten, seien Sie unbesorgt: Alles wird gut.
am 05.12.2008 aus dem Hier und Jetzt
Sex Gang Children
Rotwein
dunkel und kalt
[2] Geld zu haben stellt einen vor die lästige Entscheidung wofür man es ausgibt. Und wofür nicht.
[3] Draussen ist kalt.
[4] Psychisches und physisches Befinden hängen gerne und häufig, aber nicht zwingend zusammen.
[5] Schlafmodus des Mac ändern: sudo pmset hibernatemode x
[6] Aufschieben macht unglücklich.
zu [2]: … und nimmt einen all die Ausreden weg. Wenn ich nun Geld habe, warum habe ich immer noch keine Schuhe?
zu [5] : ersetze "x" durch wahlweise
0 = Suspend-To-RAM
1 = Suspend-To-Disk
3 = Suspend-To-RAM and Suspend-To-Disk
P.S.: Nicht bloggen ist auch keine Lösung.
am 17.10.2008 aus dem Hier und Jetzt
Nachbarn durch die Wand
Jasmintee
dunkelblau
mir wieder ein. Oder besser: Ich spüre es. Dass er nicht mehr da ist.
Fehlt.
Mir fällt ein, wie er sich immer Zebramädchenkopfproblemchen angehört
hat. Mich betreut hat. Täglich verbales Kopftätscheln. Hat all die
Fragen beantwortet und geholfen. War da, wenn ich ihn rief. Und fast
ohne Seufzen ist er mit mir überall hingegangen, wo ich mich alleine
nicht hingetraut habe. Und alles gegen Zebramädchentränen! Für Zebramädchenlächeln. Oder doch nur um sich Zebramädchenerwartungen zu fügen? Oder warum eigentlich? Ach, ganz egal.
Jedenfalls bemerke ich dann, dass ich gar nicht ihn vermisse (doch ja, schon - aber nicht primär), nicht den Menschen, sondern seine Dienstleistung als Betreuer. Ich Böses.
Und dann weiss ich, dass es richtig war. Und richtig ist, dass er jetzt nicht mehr in der Art für mich da ist.
Wer kann mich retten? Nur ich.
Wer kann mich beschützen? Nur ich.
Wer kann mich glücklich machen? Nur ich.
Wer also fehlt wenn jemand fehlt? Ich wahrscheinlich.
am 12.10.2008 aus dem Hier und Jetzt
vorbeifahrende S6
Grünen Tee
Sonntagssonne
Ich spazierte so durch diese Welt, die selbst ich mir nicht hätte ausdenken können, die - ich gebe es zu - besser war als jede Welt, die ich mir erschaffen kann. Und ich beschloss, dass ich hierbleiben werde, weil ich hierbleiben möchte. Dass ich hier sein möchte und diese Welt als meine Welt annehmen. Dass die Welten und Geschichten in meinem Kopf Bereicherung und Zufluchtsstätte sein können, aber nie Heimat.
Das weiss ich eigentlich schon lange. Und wirklich weggehen lag nie in meiner Macht. Aber gewartet habe ich, darauf, dass meine imaginären Freunde mich abholen würden, eines Tages, einige Jahre lang. Das Warten ist lange vorbei, auch das Hoffen. Aber ganz verziehen und ganz entschieden hatte ich mich bis gestern nicht. Jetzt habe ich. - Heißt das Zebramädchen willkommen in eurer Welt. =)
P.S.: Ich mag meine Stadt. Mit allem drum rum. Ich bin glücklich, dass ich hierhergezogen bin.
am 08.10.2008 aus Fragmenten von Träumen
Mitbewohnersummen
"Momente des Glücks"
regnerisch
am 30.09.2008 aus einem Schuhkarton verwackelter Momentaufnahmen
Waschmaschine
Grünen Tee
Heizunganhabwetter
Ich beobachte gerade eine asiatisch aussehende Frau, die in den Zug einsteigt, telefonierend, mit einem Fahrrad, Einkaufstüte am Lenker, und dann aussteigt, immer noch telefonierend, tapfer einarmig die Tür öffnet und das Fahrrad hinaushievt. Ich möchte auch so werden, tapfere kleine Frau.
am 29.09.2008 aus dem Hier und Jetzt
einsamer Hund der Nachbarn
herbstwerdend
Wo bin ich hier und was habt ihr mit der Welt von früher gemacht?
P.S.: Manchmal fürchte ich, meine Blogeinträge werden uninteressant wenn ich nicht unglücklich genug bin. Aber keine Angst. So wichtig ist das Bloggen nicht. Und einen Fingerhut voll Unglücklichsein hab' ich noch über. :)
am 10.08.2008 aus dem Hier und Jetzt
David Bowie
rotstichig
Ich war "auffer Kirmes". Bunte Lichter, gebrannte Mandeln, Monsterslush, Karussellfahren. Wenn ich gewusst hätte, dass das so glücklich macht ... ja. Warum wusste ich das eigentlich nicht? Es war schön. Ich möchte nochmal!
Ich war am Meer. Nordsee. Strand. Sand und Salzwasser an den nackten Füßen. Nächtlicher Deichspaziergang. Das Licht der Leuchttürme sehen. Und wieder weiss ich nicht was mich mehr erstaunt, dass das so wunderschön ist und ich es erleben kann, oder dass ich das bisher nicht wusste und bisher nicht erlebt hatte.
Kinners, vierundzwanzig Jahre alt musste ich dafür werden ...
am 27.07.2008 aus dem Hier und Jetzt
ja.
"Frauen"tee.
Ventilator erforderlich.
Immer erzähle ich, dass wir die Welt in der wir leben in unserem Kopf zusammenbasteln. Und das stimmt. Aber erlebt, dass es tatsächlich so ist, habe ich erst in den letzten Wochen.
Das ist nämlich so: Ich habe viele Menschen getroffen. Und ein oder zwei konnte ich besuchen. In ihrer Welt. Oder zumindest bekam ich mit, wie ihre Welt so ist. Und wo die Unterschiede sind zu meiner Welt.
Wovon ich eigentlich rede? Achja. Also, erst einmal sind es Möglichkeiten. Auch relativ banale. Genutzte Möglichkeiten. Ein Kühlschrank voller leckerer Sachen, zum Beispiel. Dass man um die Ecke geht, leckere Pommes essen. Oder zum Kiosk, ein Eis kaufen. Dass man das kann und es auch tut. Und dann sind da noch andere Sachen. Menschen, die man gerne hat und die vorbeikommen. Lieblingsorte, wo man hingehen kann - eine Wiese zum Draufliegen. Sowas. Und dann vielleicht noch, dass man draussen in der Straßenbahn jemanden trifft, den man kennt und mit dem man redet. Das ist mir alles so ... fremd, ja. (Beschämend, das zuzugeben.)
Gerade die ersten Dinge sind Kleinigkeiten, eigentlich. Aber eine Welt in der sie fehlen ist, verglichen mit der Welt in der es sie gibt, arm. Ein bißchen bin ich bestürzt, beinahe, dass ich vorher nicht wusste, wie toll es ist eine riesige Tüte Popcorn im Kino zu kaufen. Oder barfuss ein Wassereis holen gehen. Oder ein Glas Bruschetta im Kühlschrank zu haben. So ganz kann ich es immer noch nicht glauben. Oder will nicht einsehen, dass sowas mich glücklich macht. Dass sowas wichtig ist.
Und an anderen Stellen fällt mir auf, wie es mir nicht so gut geht, wie es mir gehen könnte, weil mich meine Angst davon abhält für mich zu sorgen. Im banalsten Fall, mir etwas zu essen zu besorgen. Zum Beispiel.
Und: Seit ich darauf achte höre ich es immer wieder. Menschen, die Dinge genießen zum Beispiel. Die drei Frauen die von der Arbeit nach Hause fuhren im Zug. Und die eine meinte: " ... dann setz ich mich gemütlich hin und trink 'ne lecker Tasse Kaffee." Ihr Ton und ihr Gesicht machten deutlich, dass das etwas Wunderbares war, worauf sie sich freute. Und noch besser, die anderen beiden nickten und freuten sich mit. Nur ich verstand das nicht so ganz. Ich wollte auch! Das Konsumieren eines Heissgetränks so zelebrieren, dass es etwas war worauf man sich vorfreut. Ich dachte, das ist nur in der Werbung so.
Ich habe auch gemerkt, wie sehr mich meine Angst einschränkt. Wieviel ich mir wegnehme, in dem ich (weil ich Geld nicht unnötig ausgeben möchte und es vermeide, das Haus zu verlassen) bis heute noch nie bei diesem Kiosk gewesen bin. (Dabei kostet das Wassereis nur dreissig Cent.)
All diese Gelegenheiten etwas Schönes zu erleben ... haben gefehlt. Während anderer Menschen Welt diese dutzendfach bereithält. Eigentlich furchtbar einfach. (Vielleicht auch das mit den netten Menschen, denen man in der Bahn begegnet, und die machen, dass das Draussen kein schrecklicher, feindseliger Ort ist - sondern ein Ort, an dem man nette Menschen treffen kann. Darüber aber ein anderes Mal mehr.)
Ein bißchen ist es, als hätte ich nur die Trial-Version dieses Spiels, in der an allen Ecken und Enden eingeschränkt ist was ich tun und wo ich hingehen kann. Aber das hört jetzt auf.
am 09.07.2008 aus dem Hier und Jetzt
still
Jasmintee
schwarz wie die ... genau
Ich fuhr hin. Wieder schien die Sonne. Ich guckte mir die Menschen in der Straßenbahn genau an. Ich wollte es ganz genau wissen. Dass es nicht Duisburg ist. Nicht wie Duisburg ist. Und tatsächlich. Die Menschen in der Straßenbahn waren in Ordnung. Die auf der Straße auch. Das war nicht Duisburg. Das war wunderbar.
Skeptisch wie ich selbst meiner Begeisterung gegenüber bin unterzog ich die umliegenden Straßen einer kurzen Betrachtung. Tatsächlich. Niemand guckte mich schief an und das saubere Trottoir schien die Altpapierreste von letzter Woche nicht zu vermissen.
Und dann die Wohnung und der Mensch, den ich im Folgenden "der Mitbewohner" nennen möchte. Sich gemütlich hinsetzen (ja, wirklich gemütlich - nicht auf IKEA-Plastik-Klappstühlen), einen Kaffee trinken. Reden, sich über die Sonne freuen.
Die Wohnung: Ja, das war meins. So wollte ich wohnen. Eigentlich war es ein wenig so, als wohnte ich da schon und wüsste es nur noch nicht. Ich bemühte mich sogar, meine Begeisterung zurückzuhalten. Ich traute mir nicht ganz.
Das Gespräch bei Kaffee und Keksen brachte mich ganz durcheinander. Menschen waren anstrengend. Ich war ein verschüchtertes, asoziales Ding. Ich hatte Probleme mit Menschen. Oder doch nicht? Wohl doch nicht. Nicht immer. Ich konnte mich mit einer wildfremden Person hinsetzen und mich dabei wohlfühlen. Zumindest an diesem Tag, mit dieser Person. Das war wunderbar.
Ich verließ den Tatort mit einem Kopf voller Begeisterung und Unglauben. Das war einfach zu gut. Zu gut. Es war als würde mir schwindlig. Wahrscheinlich weniger von der Begegnung mit dieser WG als vielmehr von der Erkenntnis, dass ich die vergangenen zwei Jahre in einer Stadt, in einer Straße, in einer Wohnung, zwischen Möbeln und in einer Situation verbracht hatte, die ich nicht mochte. Die nicht zu mir gehörten, nicht passten. Nicht meins. Und immer wieder hatte ich versucht dieses Unbehagen in Worte zu fassen und anderen zu erklären, aber die hatten mich nicht verstanden. "Die Wohnung ist doch gar nicht so schlimm." Doch, ist sie.
Wenn mir abends kalt ist im Bauch - und so selten ist das nicht, wärme ich mich mit Gedanken an mein neues Zimmer und mein neues Leben. Danke, Universum.
am 02.07.2008 aus dem Hier und Jetzt
Regentropfen
Grüner Tee
Jeder Mensch der mir gerade dabei hilft es wiederzuentdecken fühle sich an dieser Stelle bitte gedrückt.
Picknick am Rhein im Sonnenschein.
Ein kuscheliges Bett in dem man nicht allein ist.
Eine halbe Flasche Wein und eine Pizza.
Inspiration und Input.
Selbstgebackene Kekse.
Nachts Radio hören bis man dabei einschläft.
Überraschende Regengüsse.
Fotografieren weil es Spaß macht.
Eine Instant-Noodle-Soup angeboten bekommen wenn man richtig hungrig ist.
Frisches Baguette.
In Plateaustiefeln durch die Wohnung stolzieren.
Nachts mit der S-Bahn heimfahren und die Regentropfen an der Scheibe zittern sehen.
Menschen treffen.
am 21.06.2008 aus dem Hier und Jetzt
nein
Kräutertee
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Die Wohnung sah nie so aus, dass ich sie gerne jemandem gezeigt hätte, aber jetzt ist es noch ein klein wenig schlimmer. Nicht so schlimm, wie man denken möchte.
Aber irgendwie genieße ich es gerade, und ertappe mich sogar an einigen Stellen mit der Idee, es noch ein wenig unordentlicher zu machen. Ein bißchen so, als sei das hier ein Konzeptkunstwerk. Ist es auch ein bißchen. Ein Abbild meines Innenlebens oder so. Alles ist durcheinander, manches ein wenig kaputt, vieles am falschen Platz.
Aber ich muss mich jetzt nicht damit auseinandersetzen. Ich kann es einfach mal liegen und stehen lassen. Und den Topf den ich gerade brauche spülen. Aber ich muss nichts. Es kommt ja niemand vorbei.
Mir gefällt das. Es ist sogar ein Luxus den ich genieße. Ich muss das Geschirr nicht spülen. Das Geschirr ist ungespült und die Welt geht nicht unter. Die Welt geht nicht unter. Das ist wunderbar. Ehrlich.
Ich hoffe, ich werde endlich lockerer. Weniger "ich muss". Dringend.
Ausserdem freue ich mich darauf wenn ich mich aufraffe und es alles aufräume. Von oben bis unten und hinten bis vorne. Mich auch mit den schmutzigsten Töpfen konfrontiere. Die Flaschen wegbringe und den Müll.
Irgendwann werde ich das tun.
am 16.06.2008 aus dem Hier und Jetzt
Mate, kühl
Sonnenbrandgefahr
Ich habe mir vorgestellt, dass es wunderbar wäre einen Rhythmus zu finden, nur aus Atmen und Laufen. Ganz ohne Gedanken. Aber die Gedanken blieben da. Es war nur so, als würde ich ihnen nicht mehr zuhören. Sie passierten mehr unbewusst. Ohne dass ich über die Gedanken nachdachte. Geschweige denn sie bewertete. Vielleicht denken andere Menschen so, denke ich mir. Nicht so laut und ausdrücklich, mehr vage und unbewusst. Vielleicht.
Und gut gefühlt habe ich mich auch. Ja.
Hoffentlich klappt's nochmal.
am 14.06.2008 aus dem Hier und Jetzt
Mate
404
Eine Sache weswegen mich Menschen oft als "assig" empfunden und es mir in sehr seltenen Fällen sogar mitgeteilt haben, ist diese Mitgefühls-/Verständnis-Sache.
Ich weiß, dass es für die meisten meiner Leser "absolut selbstverständlich" ist, aber ich muss zugeben: Die Einsicht, dass es jemand anderem zum Beispiel wehtut, wenn man ihn schlägt, finde ich schon eine beinahe ungeheure Transformationsleistung.
Andere nicht aufgrund sozialer Verhaltenskonventionen ("Man schlägt andere nicht.") nicht zu schlagen, sondern weil man weiss, dass die ähnlich wie man selbst funktionieren, und man daraus, dass es einem wehtut wenn man geschlagen wird, schließen kann, dass es denen auch wehtut ... und dass man dann auch noch das Schlagenwollen und Selbstabernichtgeschlagenwollenwürden gegeneinander abwiegt und sich zugunsten von Letzterem entscheidet - ja, das finde ich eine Leistung.
Ohne das entsprechende Hintergrundwissen zu haben, nehme ich mal an, dass man das lernt, wenn man noch klein ist. Sekundäre Sozialisation oder so. Dieses konkrete Sich-In-Andere-Hineinversetzen. Nicht dadurch, dass einem das jemand so lange sagt bis man es verstanden hat, sondern einfach durch Erfahrung.
Und manche lernen das nicht. Und später ist es, glaube ich, sehr viel schwerer zu lernen. Zumindest für mich. Weil ich, und ich nehme an das geht anderen auch so, seit ich nicht mehr Kleinkind bin, über Menschen zum größten Teil gelernt habe, wie anders sie sind. Also, anders als ich. Sie haben andere Eltern, essen andere Sachen, haben andere Geschichten vorgelesen bekommen. So Zeug.
Ich weiss das klingt jetzt für viele wieder bescheuert aber: Ganz offensichtlich funktionieren viele Menschen in vielen Dingen anders als ich. Diese Transformation, dass sie etwas verletzt, was mich verletzen würde, ist also schwieriger. Und, weil ich das eben nicht so gelernt habe, ist es auch nichts, was automatisch passiert. Ich müsste mich schon ganz bewusst fragen: Wenn jemand das zu mir sagen würde, wäre ich verletzt? Und warum? - Und seien wir mal ehrlich, gerade wenn man so ohne zu denken redet wie ich meistens ... nein, da passiert das nicht. Hin und wieder merke ich hinterher, dass etwas nicht ganz angebracht war und mache mir Gedanken, aber ich fürchte, oft passiert gar nichts.
So viel also zu der Situation wie ich sie - etwas übertrieben vielleicht - sehe. Und nein, natürlich sage ich niemanden "Du siehst scheisse aus", weil man das nicht macht. Ich bin angepasst genug, aber eben eher aufgrund der erwähnten Konventionen die man so mitbekommt. Weniger weil ich mich in andere hineinversetze. Denn das tue ich in vielen Fällen nicht.
Ich konnte das nicht, als der Hund meiner Grundschulfreundin gestorben ist. Sie fand es scheisse, dass ich keine Anteilnahme zeigte. Aber ich kannte den Hund nicht, ich hatte nie einen Hund, ich konnte auch unter Anstrengung kein Mitgefühl aus mir herauspressen, weil ich nicht die geringste Ahnung hatte, wie es ist, wenn jemand stirbt der einem nahesteht. Ich habe ihr das auch gesagt. Sie hat das nicht verstanden.
Später ist mir etwas ähnliches passiert in einem Alter in dem ich mit etwas Fantasie hätte erahnen können sollen wie es ist, aber ich war "assig" genug es hartnäckig zu ignorieren und mich nur mit meinen eigenen Problemen zu beschäftigen. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass ich mir noch öfter nicht erlaubt habe, Mitgefühl zu entwickeln, weil es um Dinge ging, vor denen ich so Angst hatte, dass ich mich nicht damit beschäftigen wollte, dass diese Dinge passieren.
Aber neulich ist mir endlich etwas passiert, das mir gezeigt hat, dass ich nicht so Mitgefühl-Unfähig bin wie ich es gerade dargestellt habe. Jemand schilderte mir ein unschönes Erlebnis und ... Himmel. Es war so ich. Ich meine, es war wie all die furchtbaren Dinge, die mir passieren. Psychoschmu. Offenbar lebt sie in einer ganz ähnlichen Welt wie ich. In einer, der sie unterstellt dass sie böse und gegen sie ist, ja - über den Teil muss ich noch nachdenken, hat mir auch etwas Selbsterkenntnis beschert. Jedenfalls, während sie erzählte, sah ich es genau vor mir. Es war eine blöde Aneinanderreihung von Situationen, die ich selbst schon erlebt habe und in oder nach denen ich in Tränen ausgebrochen bin.
Als sie geendet hatte, war ich ganz verwirrt im Kopf, ein bißchen als wäre es wirklich mir passiert. Ich musste mir sagen: Keine Angst, ist jetzt vorbei, und ist nicht Dir passiert, keine Angst. Aber mitgenommen hat es mich, ja. Ich wollte sie umarmen. Aber so gut kennen wir uns dann doch nicht.
Schade, dass dieses bewusste Mitgefühl-Erlebnis nicht dazu geführt hat, dass ich der, die mir dazu verholfen hat, etwas zurückgeben konnte. Aber das lerne ich als nächstes.
am 05.06.2008 aus einem Notizbuch voller Fragen, die unbeantwortet blieben
Ventilatorrauschen
Wasser
N. A.
Das war ein Spaß. Ich war ganz im Flow.
Und das hat mich dann wieder zum Grübeln gedacht. Ich denke schließlich immer mal wieder darüber nach, womit ich ein bißchen Geld zum Leben verdienen könnte, später. Ich meine, ich muss mich ja nicht für immer oder länger entscheiden, is' klar, ich kann so vieles tun. Aber immer suche ich nach so einer groben Richtung an der ich mich orientieren kann. Und hab' sie immer noch nicht gefunden. Ist aber ein anderes Thema.
Jedenfalls dachte ich mir: Jetzt bin ich ganz im Flow. Es macht großen Spaß. Ich wünschte, ich könnte es den ganzen Tag machen. Ist nicht das erste Mal, dass ich das feststelle. Das letzte Mal habe ich ungefähr drei Stunden lang Wolle um einen Kerzenständer gewickelt. Ich war ein flowiges Zebra, sachicheuch.
Bisher war ich irgendwie davon ausgegangen, dass jeder solche Tätigkeiten befriedigend findet. Ich dachte nur, Menschen würden in der Wahl ihrer Geldverdienaktivität ihre Fertigkeiten oft höher gewichten als was ihnen Spaß macht. Schon allein weil man mit dem Entwickeln von Webapplikationen eben mehr verdient als beim Sortieren von Gummibärchen.
Ich ging rüber und konsultierte meinen Berater für weltliche Angelegenheiten: Ob er es auch so genießen würde, bunte Perlen zu sortieren, weiße Punkte aufzukleben, Kügelchen aufzufädeln ...?
Die Antwort war ziemlich eindeutig.
Also nicht.
Jetzt wollt ihr mir sicher sagen, dass ich nicht im Ernst mehrere Stunden täglich bunte Perlen sortieren möchte oder so. Aber hey, ich habe mal sechs Wochen lang Kabel konfektioniert. Es war toll. Meine Lieblingsbeschäftigung bestand darin, vier Zentimeter Stücke von einem kleinen milchig-weißen Schlauch abzuschneiden und dann je eine kleine Metallkugel in das Vierzentimeterschlauchstück zu drücken. Aber auch die anderen Arbeitsschritte hatten ihren Reiz. Die bunten Litzen und das Löten und die Schrumpfschläuche. Dabei hörte man den ganzen Tag Radio und ließ die Gedanken treiben.
Gut, das Radio war scheisse. Aber überlegt mal: Beim Kügelchen-in-Schläuche-drücken kann man den ganzen Tag Podcasts und Hörspiele hören. Den ganzen Tag! Man kann nicht behaupten, dass man dabei nichts Neues lernen oder keine neuen Impulse erhalten würde.
Und ihr? Was macht euch Flow?
am 27.05.2008 aus dem Hier und Jetzt
Straßengeräusche
Lapacho Orange-Spice
schwültrüb
Ich rede mit Menschen. Manchmal sage ich das Falsche, ziemlich oft zu wenig. Und immer frage ich zu wenig. Aber ich übe.
Woran ich noch arbeiten muss: Es scheint mir einfach nicht zu gelingen, interessiert zu sein. Oder zu wirken. "Nein, wirklich, wie interessant. Was machst Du da? / Wie lange machst Du das schon? / Macht das Spaß?" Brächte ich nicht über die Lippen. Kommt mir immer so geheuchelt vor. Auch wenn andere mich sowas fragen. Kommt mir immer vor, wie so ein Spiel nach abgelesenem Skript. Ich verdrehe dann manchmal innerlich die Augen und denke: Das musst Du mich jetzt fragen, weil wir dieses 'Gespräch'sding veranstalten und das so funktioniert. Und ich muss dazu jetzt Auskunft geben, weil das so funktioniert. Natürlich freue ich mich danach, dass ich halbwegs erfolgreich mit einem Menschen kommuniziert habe. Aber in dem Moment: Innerliches zebroides Augenrollen.
Das soll nicht heißen, dass mich Menschen nicht interessieren. Mich interessieren Menschen. Deswegen lese ich ihre Blogs, ihre Tweets oder beobachte sie in der Straßenbahn.
Aber diese Art der Kommunikation, diese Frage-Antwort-Spielchen, das finde ich so ... unnatürlich. Und manchmal lästig, irgendwie. Wie es mir lieber wäre? Ganz einfach. So wie hier.
Ich erzähle etwas was mich gerade beschäftigt, was mir wichtig ist. Das, von dem ich möchte, dass mein Gegenüber es (jetzt gerade) von mir erfährt. So dass sie oder er mich nicht als erstes nach meinem Studienfach oder meinem Job fragen, und mich im Folgenden primär danach einsortieren muss.
Am Liebsten möchte ich von anderen Menschen auch gerne erfahren, was sie beschäftigt, was sie begeistert und was sie nicht ausstehen können. Aber nicht auf Basis dieser Standard-Frage-Antwort-Spielchen.
Ich weiss: Ich könnte mir neue Fragen ausdenken. Was mich wirklich interessiert. Ich sollte meine eigenen Fragen stellen, dann wäre es nicht mehr geheuchelt. Was ist Dein Lieblingsbuch? Wie sieht Deine Wohnung aus? Erzähl von Deiner Familie. Worauf freust Du Dich wenn Du morgens aufwachst? Dazu müsste ich mich allerdings erst einmal trauen, mich vielleicht einen Moment lang irritiert angucken zu lassen.
Noch lieber wäre mir aber, wenn sich Menschen einfach hinsetzen und erzählen könnten, irgendetwas. Ich glaube, ich würde zuhören.
am 18.05.2008 aus dem Hier und Jetzt
Skeletal Family
Grüner Tee
Nachtschwarz
Heute habe ich zum ersten Mal eine Dunkelkammer betreten. Zum ersten Mal die Nase über eine Wanne mit Entwickler gehalten. Zum ersten Mal selbst eines meiner Fotos vergrößert.
Aber noch einmal von vorne. Eigentlich fing es ja schon gestern an.
Erste Hürde: An einen fremden Ort, zu fremden Menschen. Und das an einem Morgen, an dem ich überhaupt keine Lust darauf hatte.
Aber ich hab's getan. Trotz morgendlicher Nervosität und Bauchunruhen. Acht Minuten und Fünfzig Meter vor besagtem fremden Ort und fremden Menschen dann solche Angst, dass ich beinahe in Tränen ausgebrochen wäre. Tief durchgeatmet, ein wenig weitergegangen. Fünfzig Meter am Zielort vorbei. Und plötzlich war es einfach weg. Ich glaube, ich war abgelenkt. Hab' in ein Schaufenster gesehen. Hatte irgendeine Idee. Irgendsoetwas. Und dann war alles halbwegs okay. Umgekehrt, Augen zu und durch. Mit offenen Augen, versteht sich.
Und siehe da, Universum hilft nach: Attraktive und sympathisch gekleidete junge Frau getroffen, die offenbar auf dem Weg zur selben Veranstaltung war. Sie angesprochen. Ein Gespräch begonnen. (Ich! ... Himmel.)
Um es kurz zu machen: Alles wurde gut.
Trotz einer zweiten Hürde, übrigens, die in einer Flasche Wein und einer viel zu grßen Schüssel Pesto gestern nacht um halb eins bestand, was mich drei Stunden Schlaf kostete. Aber endlich gab es mal etwas, was es mir wert schien, doch aus dem Bett zu kommen und die Widrigkeiten stur zu ignorieren.
Zusammenfassend: Alles weniger kompliziert als ich dachte. Dieses Mal auch weniger romantisch. Das liegt daran, dass es sich bei meiner ersten Dunkelkammer weniger um eine Kammer als vielmehr einen Raum mit mehr als einem Dutzend Arbeitsplätzen handelte. Und obwohl so eine Trockenmaschine ein niedliches Geräusch macht, ist es doch viel cooler Fotos an Leinen zu trocknen. Von der vielzitierten Magie habe ich trotzdem etwas abbekommen. Und ein Stück davon eingepackt.
am 16.05.2008 aus dem Hier und Jetzt
Espresso
Abendblau
Als ich zum ersten Mal zur Paketfrau musste, habe ich mich sehr geärgert, dass ich zur Paketfrau musste. Ich wäre viel lieber zur Packstation gegangen. Die Packstation habe ich lieb. Bei Menschen ist das alles etwas komplizierter. Ausserdem hatte ich einen schlechten Tag. An schlechten Tagen ist mit Menschen meistens alles noch viel schlimmer. Aber nicht immer.
Alles kam anders als befürchtet. Die Paketfrau war nett. Und gesprächig. Ich wechselte ganze drei ganze Sätze mit der Paketfrau und verließ die Einrichtung, die jetzt einen gewissen Sinn für mich ergab, mit meinem Paket, deutlich besserer Laune und stolz Smalltalk mit einem fremden Menschen praktiziert zu haben.
Heute musste ich wieder hin. Und dieses Mal habe ich mich sogar darauf gefreut. Und siehe da, heute habe ich schon beinahe zehn Sätze mit der Paketfrau gewechselt. Sie stimmte vollkommen mit mir überein, dass es heiss sei. Ob ich ein paar Briefumschläge bräuchte, die könne sie sowieso nicht mehr verkaufen. Mein Name sei süß.
Eine wunderbare Sache, so ein "Copyshop" als Sandkasten für sozial unbeholfene Menschen. Und Pakete abholen und kopieren kann man da sogar auch!
am 08.05.2008 aus dem Hier und Jetzt
NIN
Gunpowder
Abendgold
Sommer ist toll; Sommer und Balkon wunderbar.
am 30.04.2008 aus Fragmenten von Träumen
X-Mal Deutschland
Fenchel-Anis-Tee
#000000
Die Kartografie meiner Träume. Wie generiert mein Kopf bloß diese verrückte Landkarte?
Was mich dabei immer wieder erstaunt, ist, dass ich Orte dort meistens wiederfinde. Und dass sich die bekannten Orte nicht verändern. Mein Kopf benutzt also nicht jedes Mal einen neuen Zufalls-Algorithmus um meine Traumlandschaften zu erzeugen. Vielleicht hat es auch überhaupt nichts mit Zufall zu tun.
Gestern zum Beispiel war ich im Traum in Leipzig. Erst als ich dort war, erkannte ich die Straße wieder: Es war der Ort, an dem ich vor langer Zeit bei einem jungen Mann und seiner Familie gewohnt hatte. Den Traum habe ich nie aufgeschrieben und bis gestern nacht habe ich mich nicht einmal bewusst daran erinnert. Einzelheiten fallen mir erst jetzt ein. Der Traum ist ziemlich genau vier Jahre alt. (Ich glaube mich zu erinnern ihn geträumt zu haben, bevor ich Leipzig zum ersten Mal tatsächlich besucht habe.)
Ich bin oft zu faul, Träume vollständig zu notieren. Dann behelfe ich mir mit groben Übersichtsskizzen der Landschaft, des Hauses, der Räume. Das genügt fast immer, um mir auch die Geschichte dazu wieder ins Gedächtnis zu rufen.
Am Liebsten würde ich jetzt eine große Leinwand an die Wand hängen und darauf all die Orte anordnen die ich nachts besuche. Bis ich meine Traumlandschaft kartografiert hätte. - Zumindest für die Träume, die in dieser Welt und der Gegenwart angesiedelt sind (wo ich so darüber nachdenke glaube ich fast, dass das der kleinere Teil ist).
am 26.04.2008 aus dem Hier und Jetzt
Waschmaschine
Sonne, im Sinken begriffen
Ihr glaubt gar nicht, was so ein Duschvorhang alles verursachen kann. Im Kopf.
Der Duschvorhang riecht nämlich nach neuem Schlauchboot. Ich mag Schlauchboot-Geruch.
Als ich heute morgen geduscht habe, hat sich der Geruch von Schlauchboot mit Wasser vermischt. Dazu guckte Sonnenschein durchs Fenster.
Sonnenschein und Wasser und Schlauchboot, das ergibt Urlaub.
Ich hab' die Nase an den Duschvorhang gehalten. Ich habe den nassen Duschvorhang angefasst. Ich wusste gar nicht mehr, wie sich dieses glatte, nasse Plastik anfühlt. Aber es war sofort wieder da: Meer und Luftmatratze! See und Schlauchboot! Barfuß und Gaskocher. Morgen, die mit dem Geräusch des öffnenden Reissverschlusses des Zelts beginnen. - Da könnte ich eine Portion nostalgischer Tränen vergießen. Und eine zweite, aus Sehnsucht nach Urlaub. Und nach der Welt, die in Ordnung war.
Ich erinnere mich, wie ich mir einmal, ganz ohne Wasser in Sicht, die Mühe gemacht habe, das ganze große Schlauchboot aufzublasen. Im Kinderzimmer. Als ich fertig war, bin ich darin eingeschlafen. Ein Schlauchboot eignet sich wunderbar zum Schlafen. Vor allem, wenn es selbst aufgepumpt ist.
Wir haben einen neuen Duschvorhang. Ich mag ihn.
P.S.: Prousts Madeleine ist mein Duschvorhang. Welcher Geruch weckt eure schönsten Kindheitserinnerungen?
am 24.04.2008 aus einem Schuhkarton verwackelter Momentaufnahmen
Tippgeräusche
Bionade
(Jalousien)
Heute zum Beispiel, in der Bahn.
Vielleicht kennt ihr das, wenn man sich in einer relativ "besetzten" Bahn einen Sitzplatz sucht. Die Glücklichen, die schon früher eingestiegen sind, haben sich jeweils ein Vierer-Plätzchen zu eigen gemacht. Sie hatten die freie Wahl. Nun steigt man ein und muss - wie nicht selten im Leben - aus der eingeschränkten Auswahl seinen Platz wählen.
Es ist immer ganz interessant zu beobachten, wer sich da wo hinsetzt. Und niemand kann mir erzählen, er würde da zufällig wählen.
Ich sortiere nur die aus, die wirklich gefährlich aussehen: Fußballfans in Kluft, Senioren mit grünen Filzhüten and Edelweiss-Stickereien, Kinder und Jugendliche. Andere Personen, die ich auf den ersten, zweiten und dritten Blick auch nicht besonders mag, werden mir wenigstens nicht gefährlich, und allein aus Neugierde und zur Abwechslung wage ich es auch hin und wieder mich neben die zu setzen - die Tussis mit Louis Vitton-Taschen, die Kerle die als Security-Hoshi am Flughafen arbeiten.
Heute mittag hatte ich Glück: Ich fand jemanden, dessen Äusseres nicht nur keine Warnsignale in meinem Kopf anspringen ließ, sondern der auch noch halbwegs sympathisch aussah. Alternativ, eben - Chucks und khakifarbene Jacke. Ich hatte mich gerade hingesetzt, da kam noch ein Zugestiegener, in dessen Gehirn offenbar ganz ähnliche Mechanismen abliefen. Er setzte sich zu "uns", und so war die Gruppe beinahe perfekt: Drei alternativ-khaki-schwarze Menschen.
Der Kontrolleur muss uns für Freunde gehalten haben.
Ich begann, uns auch für Freunde zu halten. Ich überlegte mir die passenden Namen für meine beiden Freunde, und ein bis zwei Hobbies. Jeweils eine auffällige Angewohnheit, einen groben Musikgeschmack (Juliane bewegte übrigens die Lippen zu der Musik aus ihrem MP3-Player, sie hatte schöne Zähne und hübsche Lippen, aber vielleicht sollte ich das nicht erwähnen).
Ich überlegte, wo hin wir auf dem Weg waren und worüber wir uns gerade unterhalten hatten, bevor wir aufhörten uns zu unterhalten und aus dem Fenster sahen. Ich überlegte mir auch, was wir wohl schon alles zusammen unternommen und erlebt hatten.
Unsere Bahn näherte sich dem Flughafen, und ich begann inständig zu hoffen, dass sie im Tunnel steckenbleiben würde - oder das sonst irgendetwas geschähe, das die Chance eröffnen würde, das wir einander wirklich kennenlernten. Aber die Bahn passierte den Tunnel und ... nichts passierte (ausser, wie gesagt, die Bahn den Tunnel).
Ich betrachtete noch ein paar Momente lang die rote Naht an Julianes schwarzen Schuhen. Dann musste ich aussteigen. Flo nahm rücksichtsvoll seine Füße aus dem Weg. Dass ich nicht "Tschüs, bis bald" sagen konnte, tat nur ein kleines bißchen weh.
An manchen Tagen habe ich noch mehr Glück, dann steigen meine "Freunde" mit mir aus, und ich kann noch ein Stück hinter oder neben ihnen gehen, bevor ich mein Spiel beenden muss.
An solchen Stellen habe ich mich allerdings hin und wieder gefragt, ob es wohl irgendetwas Verwerfliches hat, Menschen so als Projektionsfläche zu "missbrauchen". Ist schließlich nicht viel anders als, nun ... - ich traue mich nicht das Wort in den Mund zu nehmen, ... eine Wichsvorlage. (Puh, jetzt ist es raus - manchmal bin ich ganz schön verklemmt.) An anderen Tagen, an denen ich eine schlechte Meinung von meinem Umgang mit Menschen habe - und vielleicht auch vom Umgang anderer Menschen mit mir, denke ich, dass es ganz gut so ist. Sicherer.

































